Archiv für April, 2006

April 28th, 2006

Beim Schallplattenkauf

Ja, ich habe noch einen Plattenspieler.

Heute war ich wieder in meinem Lieblingsplattenladen. Ein schönes Ritual. Plattenkäufer wissen, was man daran hat. Ich kam in den Laden und nickte der Verkäuferin kurz zu. Michelle Records gibt es schon seit ewig in der Grossen Stadt. Sicher, in den letzten Jahrzehnten ist es etwas banal geworden: die lästige Plastikscheibe, die CD, hat sich auch hier breitgemacht, aber nur in einer Ecke. Dort lungern also ein paar Banausen herum und wühlen träge im Plastikgammel.

Ich verstehe es nicht, was diese Menschen antreibt. Seelenloses Plastik aussen herum, glänzendes seelenloses Plastik innendrin. Keine schöne Pappe, liebevoll gestaltet, kein wunderschönes, betörendes Vinyl, schwarz wie die Sünde, voll heisser Versprechungen. Ein Tonträger, zugleich aber auch ein Organismus, der gehegt und gepflegt werden will.

April 28th, 2006

Das Wetter, oder: warum Frösche so einen schlechten Ruf haben

Wo ich heute schon dabei bin, Euch eine Frikadelle ans Auge zu tippen, möchte ich ganz kurz nochmal auf das unlängst vorgestellte Wettermodell “Deutschland im Jahre 2100” zurückkommen und an den Wetterbericht von gestern erinnern. Ich fasse mich kurz und zusammen: “Heute regnet es überall, und zwar permanent! Keine Chance auf Sonnenschein! Alles ganz schlimm! Suchen Sie Deckung!”

Mein Kommentar dazu:
Ein Blick aus dem Fenster auf den blauen Himmel und ein diabolisches Lachen: MWAHAHAHA!!!

Und die Jungs wollen das Wetter für 2100– ok, ich halte mich zurück..

- Und ich Trottel war garantiert der einzige heute morgen in der Bahn, der einen Schirm dabei hatte…

April 28th, 2006

Wie man seinen eigenen WM-Song schreibt..

Meine derzeitige Lieblings-Tech-Site hat gerade einen schönen Artikel darüber geschrieben, wie man einen eigenen schmissigen WM-Song schreibt! Sehr nützlich. Und man sollte sich über solche Artikel nicht lustig machen, denn die beklopptesten Ideen, siehe “Fall Bohlen”, klappen doch immer wieder!

Die grossartigen KLF haben ja, passende ergänzende Lektüre, einmal einen Ratgeber geschrieben, der einem genau erläutert, wie man einen Nummer eins Hit schreibt. Ausgezeichnete, aber auch erschreckende Lektüre. Sie haben ihre Tips letztlich selbst beherzigt und es damit (mehrfach) geschafft. Und auch die schlimme und (zurecht) längst vergessene “Band”/Projekt Edelweiss hatte damit zweifelhaften Erfolg.

Man kann immer noch mit Scheisse Geld verdienen, solange es Leute gibt, die bereit sind, für Scheisse zu zahlen!

Das wäre doch ein schöner neuer Slogan der Agentur für Arbeit: “Scheisse statt Hartz4!”

Ist zwar billiger für den Staat, geht aber etwas auf Nerven und Ohren… ;)

April 26th, 2006

spon spin: Gute Nachrichten!

Unglaublich, aber wahr! Spiegel Online hat Gute Nachrichten: Neue Zuversicht titeln die Miesepeter, und berichten doch tatsächlich, dass sich das Geschäfts- und Konsumklima zum Guten wendet, und sogar die gemeinen Ossis jetzt Geld ausgeben!

Aber es wäre nicht spon wenn nicht markante Worte im Text enthalten wären. Eine Auswahl:

…trotz des hohen Ölpreises…

Also: wir sind so gut wie tot.

…weiterhin angespannten Lage am Arbeitsmarkt…

Also: wir sind so gut wie tot.

…allerdings auch Effekte von Torschlusspanik…

Also: es wird nicht besser, es ist nur die Angst, die die Leute in den Konsum treibt!

…weiteres Hoffnungszeichen…

Also: die haben wir auch bitter nötig, die Hoffnung!

…Binnenkonjunktur und der private Konsum das Sorgenkind der Wirtschaft…

Sorgenkind? – Noch sagen sie “Sorgenkind”, nicht “Totgeburt”! Mit beiden Beinen im Leben!

…die Hoffnung bleibt…

Tröstliche Worte..

Ich glaube, bei spon ist im Redaktionshaus die Sonne aufgegangen. Soviel Optimismus, wenn auch noch mit Einschränkungen, war ja schon lange nicht zu lesen.. – Ich bin ganz gerührt.

Am Ende verweisen sie übrigens nochmal auf einen ebenfalls lebensbejahrenden Artikel über den IFO Geschäftsklima Index. Der wird ja so gerne zitiert, und kaum einer weiss, was das ist. Der IFO-Index beschreibt wie ausgewählte Unternehmen die zukünftige wirtschaftliche Lage schätzen. So pi-mal-Daumen.

Unsere Wirtschaft wird mit Voodoo analysiert und bewertet. Das ist die schlechte Nachricht, eigentlich.

Aber die Alternative wäre, nur den Controllern zu vertrauen. Und Controlling ist nunmal der Inbegriff des Bösen, nämlich die Reduktion von Menschen auf (messbar und auch gemessene) Zahlen.

Dann doch lieber Voodoo.

April 26th, 2006

Mittelmeerklima an der Nordsee

Es erklingeln die Trommeln! Grosses Tam-Tam, die Meteorologen versammeln sich, Spiegel Online ist total aus dem Häusschen, und selbst die Tagesthemen wuchten das leichte Thema ins gewichtige Programm. Laut neuester Berechnungen werden wir alle ..nunja: nicht gerade untergehen, aber uns steht eine heisse Zeit bevor!

An der Nordsee soll in hundert Jahren Mittelmeerklima herrschen, wenn die letzten Berechnungen der Meteorologen stimmen sollten. Natürlich ist es wie immer: keiner sagt was darüber, unter welchen Vorraussetzungen die Berechnungen gemacht wurden, was überhaupt als Prämisse angesetzt wurde.

Es könnte auch sein, dass in 100 Jahren die Hölle überfriert, was dann wohl hiesse, dass Pink Floyd wieder regelmässig auf Tour gehen wird. Das kann man gutfinden, oder auch nicht so, das ist Geschmackssache.

Die BBC hat unlängst eine verteilte Klima Wechsel Berechnung gestartet. Mithilfe eines Screensavers kann man Klimadaten auf dem heimischen PC auswerten helfen. Eine schöne Idee, die leider einen kleinen Fehler aufwies. Jetzt müssen alle noch einmal von vorne anfangen.

Wie dem auch sei: Mittelmeerklima in der Grossen Stadt. Und ich bin immer noch am rätseln, was daran so schlecht sein soll.

Wem der Gedanke angst macht, dem sei noch einmal ins Gedächtnis gerufen, dass die Berichte von den Jungs kommen, die nicht mal das Wetter von morgen richtig vorhersagen können.

Aber dann, alter Tsunami-Scherz unter Meteorologen, auf grosse Welle machen.

“Ja, mooooorgen ist auch nicht so einfach, aber Dienstag in 100 Jahren, da wird es sonnig und warm!”

Ja, nee, is’ klar. Deine Mudda. ;)

April 20th, 2006

“The Call”: unnötiger Aufwand von Pirelli

Da macht Pirelli einen wahnsinnigen Krach mit der neuen Werbekampagne “The Call”, die auf Plakaten mit einer unbekleideten Naomi Campbell für ein Filmchen mit ihr und John Malkovich wirbt, dass man sich exklusiv im Web ansehen darf.

Jetzt nicht gleich aus dem Häusschen geraten! – Von der unbekleideten Naomi ist im Filmchen nicht sonderlich viel zu sehen. Und John Malkovich ist auch nicht gerade der Reisser. Leider.

Antoine Fuqua hat offenbar genug Geld bekommen um für den Unfug kurz im Regiestuhl Platz zu nehmen. Eigentlich dreht er respektable Filme wie “The Replacement Killer” oder “Training Day”, aber in letzter Zeit scheint es nicht so gut zu laufen.

In dem Film, jedenfalls, versucht John Malkovich ein Auto zu exorzieren. Ziemlich müde Sache, und nach Sehen des Films genau so unerklärlich wie es in der Beschreibung klingt. Was das soll bleibt bis zuletzt im Verborgenen.

“Pirelli Tyres” steht unten auf der Site. Richtig sollte es heissen “Pirelli tires!” – Pirelli ermüdet.

Oder um einen anderen Filmtitel zu bemühen: Viel Rauch um nichts.

April 19th, 2006

OnlineTVRecorder…

Werbung für was Gutes darf ja auch mal sein: OnlineTVRecorder.com bietet einen tollen Service, nämlich, wie es der Name vermuten lässt, einen Online-”Video”-Rekorder. Man kann Sendungen einfach(st) zur Aufnahme programmieren, die werden dann später zum Download bereitgestellt. Zwei Zwischenschritte später hat man dann auch die gewünschte Sendung als DIVX oder DVD zuhause bereit, von Haus aus kommt es allerdings als Windows Media Video geliefert.

Sehr schöne Idee, es fehlen eigentlich nur noch ein paar mehr Sender (die Dritten fehlen noch komplett, zum Beispiel), und als Video-Format eher DIVX, für meinen Geschmack, als blödes WMV, aber es gibt ja Konverter..

Ein sehr schöner Dienst. Und die Macher behaupten, dass mehr Besucher die Seite nicht kaputtmachen würden, sondern eher noch stärken. Ich bin gespannt, ob das klappt.

April 18th, 2006

Pole Position…

Blog und Forum haben den Platz getauscht. – Einfach aus Gründen der Aktualität, so..

Hoffe, Ihr findet Euch zurecht!
;)

April 15th, 2006

Andere Länder, andere Oster-Sitten..

Während einige Länder sehr bizarre Ostersitten haben und sich gerne mal in religiöser Ekstase an ein Kreuz nageln lassen (so gerade geschehen auf den Philipinnen)[1], berichtete der örtliche öffentlich-rechtliche Radiosender von Sitten in anderen europäischen Ländern.

Besonders interessant fand ich die bulgarische Idee von Oster-Spass: dort werden die Frauen mit kaltem Wasser übergossen und dann mit Weidenzweigen gepeitscht!

Eine Eingeborene erklärte das im Radio: “…Damit die Frauen das ganze Jahr über brav sind!”

- Eine rund-um gelungene Idee, wie ich finde!

Die bulgarische Dame fügte noch hinzu, dass das wohl eher ein heidnisches Ritual sei, weniger christliche Tradition. Die ollen Heiden hatten schon immer mehr Spass als die verheulten Christen.. ;)

[1] Im Grunde eine noch schlechtere Idee als Tätowierungen, denn am Ende der “Sturm und Drang”-Phase lassen sich Stigmata im Alltag sicher überhaupt nicht wegdiskutieren und auch nicht überschminken! – “Oh, sie haben da ein Loch in der Hand! Waren sie früher ein religiöser Fanatiker der nicht alle Murmeln im Glas hat?”

April 13th, 2006

Feiertags-Fernsehprogramm

Der diesjährige Gewinner des Preises für sensible Programmzusammenstellung ist der Sender Sat.1 für die wundervolle Karfreitags[1]-Kombination “Die 10 Gebote” (Inhalt ansatzweise vorhersehbar) gefolgt von “Gunmen”.

Zu “Gunmen” heisst es, dass der Film neben der “gut durchdachte Story [...] vor allem durch erstklassige Stunts und großartige Schauspieler [überzeugt]. Freunde des Actiongenres werden durch die hervorragenden Leistungen der beliebten Darsteller Mario Van Peebles und Christopher Lambert sicher voll auf ihre Kosten kommen.”

Christopher “Highlander” Lambert ist also tatsächlich ein “Darsteller”, und kein Schauspieler? Das habe ich mir gedacht..

Wie Harald Schmidt schonmal feststellte: Erst sieht man sich auf Sat1 “Die 10 Gebote” an, um im Film danach zu sehen, wie sie alle der Reihe nach gebrochen werden.

Nunja, egal: ruhigen Karfreitag wünsche ich denn.. ;)

ps: und bei der Abendplanung nicht vergessen, dass im Bundesgebiet an diesem Tag ein Verbot für Tanzveranstaltungen gilt, also nichts mit Schwofen am Karfreitag!
pps: und ja, das gilt auch für Nicht-Christen!

[1] Karfreitag, Karfreitag,.. – was war da noch gleich? Die Kreuzigung Jesu, ihr ungebildeten Kinder des christlichen Abendlandes!