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Gruesse aus der Grossen Stadt

Schlagwort: hamburg

Elbjazz: was für ein Spaß, mal wieder!

Das war wieder mal feinste Musik, und wieder mal nicht so gute Organisation..

Am Freitag habe ich von halb sechs bis exakt sieben Uhr (pünktlich zum Konzertbeginn) gebraucht, um von den Landungsbrücken mit Shuttle-Barkassen bis zur MS Bleichen zu kommen. – Einfach war das nicht!

Dort dann aber in vorderster Reihe im bequemen und für mich von Freunden freigehaltenen Lümmelsessel das Konzert genossen. Mein Entree muss extrem VIP-mäßig gewirkt haben, denn gleich nach Konzertende hatte ich ein Kamerateam des Lokalsenders an den Hacken, die genau wissen wollten, was ich am Konzert genau gut fand. Meh.

Danach dann wieder auf Barkassen gewartet, und exakt zu spät für Kurt Elling auf dem Blohm & Voss Gelände angekommen. Bei Charlie Haden Quartet West in der Maschinenhalle war kein reinkommen mehr, also warteten wir auf die Nighthawks, die dann auch großartig waren. Danach gab’s noch Klaus Doldingers Passport, und der alte Mann hatte a) ein sehr, sehr schlecht sitzendes Sakko, und b) ziemlich gerockt! Das Jammen zum Schluss mit einem mir unbekannten schwarzen Herren war dann noch ein prima Bonus (Gregory Porter, lernte ich gerade!).

Samstag wieder genau rechtzeitig, diesmal zum Tingvall Trio und sehr schlechtem Sound, in der Maschinenhalle angekommen, und sogar noch einen Sitzplatz bekommen. Wäre der Klang nicht so schlecht gewesen, wäre es wirklich gut gewesen!

Danach spielte wiederum Klaus Doldinger auf der Hauptbühne, jetzt aber mit Nils Landgreen, begleitet von Lars Soundso am Bass und dem Mann, dem wir die Titelmusik der Sesamstrasse verdanken, Ingfried Hoffmann an den Tasten. Großes Kino, und zu Doldingers 75.(!) gab’s noch ein paar Anekdoten aus seinen gefühlten 100 Jahren im Jazz-Geschäft.

Leider begann zu diesem Zeitpunkt auch der Regen, der mal stärker, mal schwächer, den Rest des Abends begleitete. Auf dem Weg zwischen zwei Konzerten fragte mich eine Schwäbin, ob es in Hamburg häufig regnete. Ich antwortete mit ernstem Gesichtsausdruck: „Welcher Regen?“

Darüber wird sie sicher noch eine Weile nachdenken.. 😉

Bimbache openART feat. Torsten de Winkel & Maria Merida auf der Spitzenbühne begann grauenvoll: erst ein Vortrag über das Hippie-Leben als Jazzer auf den Kanaren, dann ein behinderter Junge, der (wirklich gut) ein spanisches Wiegenlied vortrug, in dem von einer Frau berichtet wird, die ihr Kind wiegt und umsorgt, und erst (viel) später feststellt, dass es schon lange tot ist.

Danach wurde es aber wieder besser, und musikalisch auch gut!

Paolo Nutini hörte ich nur im Vorbeigehen, fand ich aber auch nicht so interessant. In der Maschinenhalle gab es später noch Nicola Conte, mit besserem Sound als beim Tingvall Trio, aber insgesamt nicht allzu spektakulär.

Zum Abschluss gab’s dann die Nils Landgreen Funk Unit, und nachlassenden (pst! – Nicht den Touris petzen!) Regen und ein rundum gelungenes Konzert.

Elbjazz? – Nächstes Jahr wieder! Vielleicht werden dann die Shuttle Verbindungen besser, und man muss nicht mehr ewig auf ein Bier oder was (überteuertes) zu essen warten!

Das wäre schön! – Aber ich komme in jedem Fall wieder.

 

Bye-bye, Foursquare!

Es ist vollbracht! – Ich habe meinen Foursquare Account gekündigt! Und seit dem habe ich wieder viel mehr Zeit!

Foursquare ist ein „Location-Based Service“: man checkt an unterschiedlichen Orten, an denen man sich gerade befindet ein, und kann so Freunden oder Bekannten erzählen, wo man sich gerade herumtreibt.

Das hat sich für mich nicht wirklich gelohnt: ich wohne und arbeite in Hamburg, die Orte sind also selten spektakulär! Dazu kommt noch, dass die Durchdringung meines Umfelds mit Smartphones noch nicht so weit fortgeschritten ist, dass man viele (wirkliche) Freunde dort unter seinen Foursquare-Kontakten findet.

Wenn man an einem Ort häufiger (als andere) ist, so wird man dort zum „Mayor“, also zum Bürgermeister. Das ist ganz lustig und fördert den Sportsgeist, und ich hatte mir in meiner Zeit  insgesamt zahlreiche nette Locations gesichert!

Trotzdem wird das Spiel schnell fade: Zu viele Orte sind zwei oder mehr Male in Foursquare enthalten: das Altonaer Rathaus zum Beispiel zweimal (nord-östlich und süd-westlich des Gebäudes zu finden – wenn man’s weiß), der Antoni-Park / Plastic-Park am Kiez gleich dreimal. Ich war Mayor von allen fünf, und das war ein gutes Stück Arbeit!

Von der technischen Seite her macht Foursquare dabei nicht immer Spaß. Der Service fällt gerne mal aus, er bestraft einen für „zuviele Check-Ins“ – und was das ist, ist nicht immer klar – oder akzeptiert Check-ins einfach nicht.

Jemandem die Bürgermeisterwürde abzujagen geht im übrigen auch nur, wenn man bereit ist, seinen Aufenthaltsort auszuplaudern. Es hat lange gedauert, bis ich das raus hatte. Private Check-ins sind möglich, helfen da aber nicht!

Trotzdem hat es eine Weile lang Spaß gemacht!

Es gibt ja auch noch „Badges“, Auszeichnungen für bestimmte Dinge, zum Beispiel für den Aufenthalt in drei Spielhallen (die im übrigen meistens einfache Kneipen sind, und nicht als solche erkennbar (weil sie auch keine sind), aber Schwamm drüber), und anderes.

Irgendwann hat man allerdings die meisten Badges, die meisten (erreichbaren) Mayorships sind gesichert, und spätestens dann wird es fad: Status verteidigen, Umwege gehen für Check-ins, welche dann auch schon mal nicht angenommen werden, weshalb man trotzdem sein „Amt“ verliert. Den „Rauswurf“ liest man dann morgens in seinen Mails, und er spornt an!

„Was tust du da eigentlich“, verlangt die Frau dann zu wissen. Ich erkläre ihr, dass es um meine Bürgermeisterwürde geht, und sie hält mich für leicht übergeschnappt.

Jetzt habe ich beschlossen: zu recht!

Ich hab‘ einfach aufgehört. War gar nicht schwer. Und ich flaniere nun wieder viel entspannter durch Hamburg.

Lieber HVV, willkommen im 21. Jahrhundert!

In Hamburg wird gestreikt, und zwar auch bei den S-Bahnen! – Man möchte denken, dass das mehrere Menschen betrifft, und zwar besonders die Kunden des Hamburger Verkehrsverbunds. Wenn man sich also informieren möchte, ob und wie man noch zur Arbeit kommt, dann sollte man – wider erwarten – auf keinen Fall die Seiten des HVV befragen!

Dort erfährt man unter „Aktuelle Fahrplanabweichungen“ zwar, dass die S1 am 19. März teilweise durch Busse ersetzt wird, aber von Streik ist da nichts zu lesen.

Dafür erfährt man unter „Neuigkeiten„, dass ein Kundenzentrum nun in neuen Räumlichkeiten ist! – Auch interessant, aber …war da nicht noch was?

Die HVV-Seiten sind ein schönes Beispiel dafür, wie ein Unternehmen das Internet nicht nutzen sollte. – Dies ist 21. Jahrhundert, und das Internet ist ein Kommunikationsmedium, liebe Leute!

Ich werde mal eine schnippische Email schicken, und die Damen und Herren über den Streik informieren. Die werden sich sicher freuen und sofort reagieren.

Update folgt.

„Sozialnetzwerkende“ Kandidaten bei der Hamburg-Wahl 2011?

Ich habe ja noch die Antworten der Kandidaten zum Thema Alkohol im Öffentlichen Personen Nahverkehr nachzutragen:

Herr Scholz hat es nicht nötig, einen seiner Vasallen abzustellen, mir auch nur eine Standardantwort zu schicken.

Nun denn, Herr Scholz, wir sind ja Nachbarn und sehen uns sicher Samstag wieder beim Brötchenholen, dann werde ich sie mal direkt fragen. Trotzdem bin ich etwas enttäuscht. Als er noch Minister war, hat er meine Emails immerhin noch persönlich beantwortet, und zwar dazu noch ausführlich und „nicht von der Stange“!

Herr Ahlhaus, der ungelenke Noch-Bürgermeister, der alles tut, um down-with-the-kids zu sein, hatte hingegen einen Büdel[1] übrig, und der schrieb mir folgendes zum Thema:

Bürgermeister Ahlhaus hat Ihre Mail mit Interesse gelesen und mich gebeten, Ihnen zu antworten.

Das halte ich für ein Gerücht, finde es aber sehr höflich.

Tatsächlich ist der Bürgermeister der Auffassung, dass ein Alkoholkonsum-Verbot im Öffentlichen Personennahverkehr ein Beitrag zu mehr Sicherheit in unseren Bussen und Bahnen wäre. Zwar schließt dies tatsächlich nicht aus, dass alkoholisierte Personen nach einem Fußballspiel oder von einem Kiez-Bummel mit den Bussen und Bahnen unterwegs sind. Erfahrungen in anderen Städten, wie Nürnberg oder auch hier im Norden im Metronom haben aber gezeigt, dass ein derartiges Konsumverbot ausgesprochen positive Auswirkungen auf das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste, aber auch die objektive Sicherheit und Ordnung in den Verkehrsmitteln hat. Demgegenüber ist es durchaus zumutbar, auf den in der Regel recht kurzen Fahrten im ÖPNV auf den Konsum von Alkohol zu verzichten. Dies entspricht im Übrigen auch der Auffassung des innenpolitischen Sprechers der SPD-Fraktion, Andreas Dressel.

So läuft der CDU-Wahlkampf in Hamburg: Es mag unpopulär erscheinen, aber die SPD sagt das auch, warum hacken immer alle auf uns Underdogs rum (die dabei aber noch den Bürgermeister stellen, und daher eigentlich selbstsicherer auftreten könnten!)!

[…]
Bürgermeister Ahlhaus hat mich gebeten, Ihnen die besten Grüße auszurichten.

Wieder mal (vermutlich) charmant gelogen, aber ich freue mich trotzdem über die Antwort.

Ansonsten ist noch nachzutragen, dass die meisten Kandidaten sich ja durchaus Mühe geben, überall im Netz präsent zu sein, nur leider immer nur in eine Richtung! – Auf eine Antwort von Herrn Scholz via Twitter warte ich immer noch. Der Account wird nur als Newsticker benutzt. Irgendwo stieß ich auch auf eine (die?) Kandidatin der Linken, Christin Bernhold und ihr Blog, in dem Diskussion oder Widerspruch (oder auch Zustimmung) ebenfalls nicht erwünscht ist: die Kommentarfunktion ist deaktiviert. Via Twitter nachgefragt, antwortete mir die Dame immerhin, und sagte, dass wir das gerne im „Realen Leben“ ™ besprechen könnten, was sehr nett ist, nur leider habe ich einen Job und ein Kind, und daher keine Zeit, mich tagsüber in Fußgängerzonen rumzutreiben – weswegen die Kommunikation via Internet, wenn die Medien schon genutzt werden, ja naheläge!

Naja: way to go, etablierte Parteien!

Man muss ja den Piraten nicht alles nachmachen, aber demokratischer und offener als bei denen geht’s wirklich nirgends zu.

Warten wir also ab, was der Wahlsonntag bringt! – Ich würde mich ja freuen, wenn Guidos Grinsebacken draußen bleiben, aber das ist nur meine Meinung.

In jedem Fall: geht Wählen, Kinder! – Genau so wie kein Alkohol (im ÖPNV) auch keine Lösung ist, ist es Nichtwählen in jedem Fall auch nicht[2]!

[1] Ich bitte die Wortwahl zu entschuldigen, der Herr war wirklich nett und bemüht, wie ich finde.

[2] Es sei denn, man wolle die Linke wählen, dann kann man es auch bleiben lassen. Mitmachen wollen sie ohnehin nicht, erst recht nicht in einer Koalition, und Zustimmung gibt es auch für nichts, nicht mal für eigene Herzensangelegenheiten.. – Ich kriege immer noch einen Hals, wenn ich lese, dass die Studiengebühren in NRW nicht abgeschafft werden, weil die Linke nicht mit zustimmt. Wollen die Genossen etwa Studiengebühren? -Aber nein! Sie wollen sie nur früher abschaffen, und stimmen daher dagegen! D’oh! *facepalm*

Das „Regime“ in Ägypten..

Was ich mich immer frage: wann wird eine „Regierung“ eigentllich zum „Regime“?

Nicht nur die Kanzlerin hat den Genossen Mubarak [1] ja früher kräftig geknuddelt, auch in der Presse war bisher nie von einem „Regime“ die Rede, sondern immer vom „Partner“, oder? Und wie geht es weiter, wenn der Herr Präsident nun doch weiter im Amt bleibt, und weiter ein treuer Verbündeter im Nahen Osten ist, wie bisher? Wird das Wort „Regime“ dann wieder zurückgenommen?

Ich werde mal an die Redaktion der Tagesschau schreiben, um das zu klären. Vielleicht antworten die ja mal eher als die Herren Scholz und Ahlhaus, die sich derzeit zu fein sind, Emails zu beantworten.

Überhaupt scheinen im Hamburg-Wahlkampf mal wieder die Sozialen Netzwerke als „write-only“-Medien genutzt zu werden. Da wird zwar heftig getwitttert und was nicht alles, aber es wird kein Dialog geführt. Politik, wie wir sie gewohnt sind, also. Wenigstens im Wahlkampf hatte ich da eigentlich mehr von den Kandidaten erwartet.

[1] Mubarak: arabisch für „Kuhstall“ (ja, alt, sorry.. 😉 )

Wahl-O-Mat für die Hamburg-Wahl 2011 und einige Programmpunkte

Den neuen Wahl-O-Mat gibt es hier.

Ich habe nicht viel Neues erfahren, und keine „ach, herrje, ich soll wen wählen??“-Momente gehabt, aber damit habe ich auch nicht wirklich gerechnet..

Interessant finde ich im Ergebnis, dass alle(!) Parteien die Kita-Gebührenerhöhung wieder zurücknehmen wollen! – Auch CDU und GAL, die sie ja erst eingeführt haben! Ich meine: ich bin ja total dafür, aber.. – warum habt Ihr die dann erst eingeführt?

Total hip ist in diesem Wahlkampf übrigens die CDU, die ihre jungen, lässigen, aber spießigen (aka „traditionelle Werte“, oder so, steht auf den Plakaten, was geschickt ausgedrückt ist, weil das impliziert, dass alle anderen entweder gar keine Werte haben, oder nur so ganz doofe neumodische. Da das nicht zutrifft kann man nur schließen, dass eigentlich „spießig“ gemeint ist) Kandidaten in den Stadtteilen allesamt mit Facebook-Profil und Twitter-Account versorgt hat, wobei die zumindest den Facebook-Teil sicher noch bereuen werden, weil jetzt Kreti und Pleti deren „Freunde“ werden wollen, und deren Oma Neumünster, gerade frisch angemeldet, sich fragt, woher ihre Enkelin die ganzen Leute kennt. Und wenn dann noch ein wirklicher alter Freund unter den vielen falschen ist, und der Bilder vom Skinny-Dipping am Baggersee in der 11. postet und verlinkt, dann ist das Gejohle groß!

Aber tradionell-wertige Menschen waren sicher nie im Baggersee, jedenfalls nicht nackt, und in der 11. waren sie auch nie – die wurde übersprungen.

Polemik? – Oh, ja, Polemik. Ich entschuldige mich bei den CDU-Häschen, die Attacke war eher gegen Facebook und die Konsequenzen der Nutzung gerichtet.

Ein Freund schreibt jetzt kaum noch privates in seinem Profil, weil sein Arbeitgeber ihn vor einen Ausschuss gezerrt hat, um dort zu zeigen, dass seine Krankheitszeiten nur durch sein „exzessives Privatleben“ hervorgerufen werden. – Eine üble und unwahre Unterstellung, möchte ich hinzufügen.

Aber schreibt nur weiter alles bei Facebook, liebe Kinder, that’s entertainment! – Nur leider früher oder später auf Eure Kosten..

Interessant beim Wahl-O-Mat war die eigentlich bekloppte Frage, ob man für die Bildung eines Nordstaats mit Niedersachen, Bremen und Schleswig-Holstein wäre, wogegen natürlich alle Parteien – zu recht! – sind. Aber halt: alle Parteien? Nein! Eine kleine gelbe Spaßpartei ist, laut Wahl-O-Mat, tatsächlich dafür!

Da kann KatJA Suding, das neue Grinsehäschen, das diesmal versucht, die FDP über die 5% zu wuchten, gleich warm anziehen, was sie aber auf den Plakaten ohnehin schon macht.. – Die alberne Schreibweise auf den Wahlplakaten, KatJA hat sich scheinbar irgendein Hiwi in einer Werbeagentur ausgedacht, um eine frohe Botschaft zu vermitteln.

Er wird immer Praktikant bleiben, aber es gibt sicher später einen Aushilfsjob bei Mövenpick für Friends of Guido.

Interessant ist auch, dass die großen Parteien für ein Alkoholverbot in Bus und Bahn sind! – Wie sollen die Fußballfans denn dann bitte vom Stadium zurückkommen? Mit dem eigenen Auto? Und überhaupt, man stelle sich das vor: Bahnhof Reeperbahn am Wochende – ausgestorben! Alle zu betrunken um mitfahren zu dürfen!

Da hat wohl mal wieder jemand nur bis wochentags, 18 Uhr gedacht!

Ich werde die Kandidaten einfach mal befragen und trage die Antworten dann hier nach.

Update 1: Es heißt auf den CDU-Plakaten tatsächlich „vertraute“ Werte, nicht „tradionelle“.

Update 2: Das Alkoholverbot in öffentlichen Verkehrsmitteln bezieht sich (mittlerweile?) tatsächlich bloß auf das aktive Trinken im Zug oder Bus! – Naja, ok, allemal unnötig, wie ich finde.. Hatte die Kandidaten trotzdem mal angeschrieben – bevor ich meinen Fehler merkte. Mal sehen, was kommt.

Zaz und William Gibson

Letzte Woche war ich in der Fabrik in Altona zum Konzert von Zaz.

Französisch-sprachige Musik, selbst gute, zieht scheinbar immer die Französischlehrer[1] in Massen[2] an, so auch hier: man konnte keine Bierflasche werfen, ohne eine pädagogische Fachkraft zu treffen, alt oder jung.

Eine ältere Lehrerin erinnerte mich an ein just bei William Gibson in „Zero Histroy“ gelesenes Zitat, wo die Hauptperson des Buches sich an einem Abend zu einem Essen Dinge anzog, die nicht unbedingt zueinander passten. Sie stellte sich dabei folgende selbstkritische Frage:

How many seasons until this kind of mismatching would read, on her, as bag lady, she wondered.

– Bei der Lehrerin im Publikum war dieser Zeitpunkt lange erreicht.

Das Konzert? – Oh, das war super! Auch die Vorband: Okou, eine Band mit einer Sängerin, die mich etwas an Cassandra Wilson erinnerte, also eine phantastische Stimme hatte.

…Und zum Schluss noch einen Kalauer zum Thema „Lehrer“: eine Freundin, Lehrerin, berichtete, dass sie nach der Schwangerschaft vorerst nur halbtags wieder arbeiten würde. Ich fragte sie dann, wie das ginge: Lehrer arbeiten von acht bis eins, oder? – Und dann nur noch von acht bis halb elf? – Nach Stellen dieser Frage suchte ich eilends Deckung, um Wurfgeschossen zu entgehen.. 😉

[1] Keine Vorurteile, übrigens: wenn die (zumeist) Damen und Herren sich unterhielten ging es häufig um die Schule!

[2] Wenn Lehrer vor die Tür gehen, dann immer gleich in Rudeln, habe ich den Eindruck. Und dann wird gepichelt, dass sie nur hoffen können, keinem ihrer Schüler zu begegnen!

Altona / Virchowstrasse: Bürgerbegehren gegen „Stay Alive“ ist gescheitert

Wie altona.info berichtet, ist das „Bürgerbegehren“ gescheitert, welches die Ansiedelung der Suchthilfeeinrichtung „ABC“  und „Stay Alive“ in der Virchowstrasse verhindern wollte. Ich freue mich. Die Gründe dafür sind hier nachzulesen (Achtung: (auch) polemisch!).

Den Ausgang hatte Hamburg 90,3 und das NDR Hamburg Journal schon im letzten Jahr vorhergesagt, was die Gutbürger zur Androhung rechtlicher Schritte in ihrem Blog veranlasste.

Seit dem ist dort allerdings auch kein Update zu lesen.

So ist das mit der direkten Demokratie, siehe auch der „Fall Ikea“ in Altona: alle wollen eine Volksabstimmung, aber nur dann, wenn sie zu ihren Gunsten verläuft. Und wenn nicht, wird mürrisch ein neues Volk verlangt.

Ich bin kein Freund direkter Demokratie, jedenfalls solange Blätter wie die „BILD“ noch so eine große Verbreitung und Einfluss haben. Aber wer das nun will, muss auch die Konsequenzen tragen.

Die Wahrheit ist: Wir sind was volkt! 😉

Bundesverdienstkreuz? – Warum hat niemand Fatih Akin ordentlich informiert?

Fatih Akin hat den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland verliehen bekommen, eine nette Geste.

Aber warum hat denn niemand dem ollen Fatih erklärt, dass Hamburger keine Orden fremder Herren annehmen? Fatih Akin ist geborener Hamburger, und in Hamburg ist es gute Sitte, Orden nicht zu akzeptieren!

Wie man bei der Allwissenden Müllhalde nachlesen kann, steht das in „entschiedenem Widerspruch zum bürgerlichen Geiste der Verfassung […]. (‚Es gibt über dir keinen Herren und unter dir keinen Knecht.‘)„.

Der Hanseat bekommt seinen Lohn in dem Bewusstsein erfüllter Pflicht, nicht etwa durch Auszeichnungen.

Naja. Nachhilfestunden im Fach „Hanseatisch für Anfänger und Fortgeschrittene“ nehmen, Herr Akin! 😉

ps: Nicht, dass er es nicht verdient hätte, aber trotzdem..

Hamburg Altona Altstadt: „Stay Alive“ in der Virchowstraße?

Na, da haben sich ein paar tapfere Geschäftsleute zusammengetan, um die „Ansiedelung“ der Suchthilfe „Stay Alive“ in Altona Altstadt zu verhindern, dazu in der „schönen“ Virchowstraße, was ja mal gar nicht geht, denn das würde ja die …“Industrieromantik“ zerstören!

Geworben wurde für ein Bürgerbegehren dagegen, und zwar mit einem großen Flyer, auf dem ein (sicher nicht lizensierter) Kartenausschnitt aus Google Maps den Bürger klar machen soll, was alles auf dem Spiel steht! – In unmittelbarer Nähe zu einem Swinger Club und einem Escort-Service(!! – wird sogar auf dem Kartenausschnitt dargestellt!) soll Drogenabhängigen geholfen werden! – Das geht nun wirklich nicht!

Zwar ist eine Polizeiwache damit quasi direkter Nachbar des runtergekommenen Standorts, aber trotzdem: die teuren Grundstücke!!

Die Bürgerinitiative erklärt:

Grundsätzlich möchten wir eines voranstellen: wir haben sehr wohl verstanden, wie wichtig die Arbeit des Vereins „Jugendhilfe e.V.“ in der Drogenproblematik ist. Wir wissen, dass eine Einrichtung wie das „Stay Alive“ verhindert, dass sich eine offene Drogenszene bildet, Fixerbestecke herumliegen und ähnliches. Deshalb möchten wir hier ausdrücklich mitteilen, dass wir grundsätzlich die Arbeit des Verein Jugendhilfe e.V. unterstützen.

Aber klar! – Nur:

Trotzdem halten wir die Ansiedlung der Beratungsstelle „ABC“ und „Stay Alive“ am Standort Virchowstraße 15 für kontraproduktiv, sowohl für die Einrichtung, als auch für die Anwohner.

Es geht also um die Einrichtung, für die die Gegend schlecht wäre!? – Das ist rücksichtsvoll!

Dann lernen wir, wer denn da jetzt ansässig ist:

Es sind Menschen, die bewußt hier ihr Gewerbe angesiedelt haben, weil sie die Hoffnung hatten, dass dies hier ein Viertel mit Entwicklungspotential ist, kurz weil sie an Altona glauben!

Genau so ist das! – Das hat alles nichts mit den bestimmt sehr günstigen Mieten in einer nicht gerade hochpolierten Ecke Altonas zu tun!

Diese Gewerbetreibenden bieten hochwertige Produkte an und ziehen namhafte Kunden aus der ganzen Stadt an.

„Namhafte“ Kunden gehen da hin? – In den Swinger Club, oder zum Escort Service [1]?

Durch die von Jugendhilfe e.V. angekündigten insgesamt etwa 100 Hilfsbedürftigen würde sich das Straßenbild in der Virchowstraße und umliegender Straßen nicht nur aus Sicht der Gewerbetreibenden massiv zum Nachteil verändern.

Das halte ich nun für schlicht unmöglich. Der mangelnde Charme der Gegend kann durch eine Drogenhilfe-Einrichtung schlicht nicht noch mehr leiden. Böse Zungen behaupten, dass auf die Straße spucken diese attraktiver machen würde[2]!

Die Pharisäer sind also empört: helfen? – Aber sicher. Aber nicht hier.

Es tut mir leid, aber: wenn nicht da, wo dann? – Da ist nichts drumherum, niemand, dem die Besucher was tun können. Das ist auch genau der Grund, warum da der Swinger Club geduldet ist, oder?

Ich habe selbst einen kleinen Sohn. Und ich möchte, dass er auf dem Spielplatz spielen kann, ohne dass ich Angst vor Spritzen im Sand haben muss. Dabei hilft Stay Alive. Möchte ich „Junkies vor meiner Haustür“? Nein, wenn es sich vermeiden lässt, aber irgendwo müssen die hin, Drogenprobleme lösen sich nicht durch schöne Reden! Und wer die schöne Gegend mal gesehen hat: wenn nicht da, wo dann?

Der Kampf um die Stimmen der Bürger wird, wie vieles heute, mit dem Angst-Thema verkauft: aber die Kinder!! aber die Schulen!! – Die sind sicher, keine Sorge, es ist unsere Moral, um die wir uns sorgen müssten..

Die Website der Bürgerinitiative (eigentlich eher eine „Geschäftsinitiative“) ist hier zu finden. Man kann dort auch kommentieren, aber nur, wenn man der Meinung der Veranstalter ist. Meine Kommentare wurden sicherheitshalber nicht veröffentlicht. Wirkliche Diskussion ist also unerwünscht.

Ich veröffentliche hier übrigens auch gerne Kommentare der Gegenseite..

[1] Polemik, ich weiss. Der Punkt ist: wenn da jetzt „namhafte“ Kunden hingehen – was auch immer uns das sagen soll – so kommen die trotzdem, nicht weil die Virchowstraße so schön ist! – Und sie parken vermutlich vorm Swinger Club. Also: mein Respekt den ansässigen Geschäftsleuten, make no mistake, aber mein Disrespekt der Argumentation!

[1] Polemik #2, man möge mir verzeihen. Trotzdem würde ich meine ungeborene (und auch ungeplante)  Tochter dort (und zwar jetzt schon!) nachts nicht alleine langgehen lassen.

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