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Gruesse aus der Grossen Stadt

Kategorie: Ich lese (Seite 2 von 3)

(Mein) Aktuelles Buch: Burkhard Spinnen, “Bewegliche Feiertage”

Essays und Reden. Großartig. Dieser Blog-Artikel lag hier nur zu lange herum, um noch (fast ein halbes Jahr später) etwas sinnvolles und detailliertes zum Inhalt zu schreiben. Ich veröffentliche das hier trotzdem, der Vollständigkeit halber.

Lest selbst! – Burkhard Spinnen lohnt immer, wenn man mal seinen Kopf etwas bewegen möchte. Zudem findet man ihn häufig auch mal bei dem freundlichen Buchladen, der immer noch 2001 heißt, obwohl das so „letztes Jahrhundert“ klingt.

– Großartiges Gehirnjogging!

(Mein) Aktuelles Buch: David Mitchell, “The Thousand Autumns of Jacob de Zoet”

Dieses Buch kaufte ich blind aufgrund einer Empfehlung von Douglas Coupland, glaube ich, gelesen in seinem Twitter-Stream. und es enttäuschte nicht: die Geschichte spielt um 1800 herum in einer Handelsenklave der Niederländer in Nagasaki und ist eine faszinierende Geschichte aus und über die damalige Zeit, aufeinander prallender Kulturen, Verständigung und Missverständnisse, Intrigen und Freundschaften. – Und teilweise auf Tatsachen beruhend!

Meine Empfehlung: Lesen!

Und für Sprach-Geeks gibt es nebenbei genug nachzudenken: ein Buch auf Englisch, welches die Kommunikationsprobleme von Holländern und Japanern beschreibt, die vor über 200 Jahren spielt! – Da sind so viele ..Herausforderungen drin enthalten, dass es eine Freude ist: wie authentisch ist denn die „Übersetzung“ ins Englische im Buch, das wir lesen, sowohl des japanischen, als auch des niederländischen? Und wie gut lässt sich Sprache von vor 200 Jahren überhaupt mit der selben Bedeutung in unsere moderne Sprache „übersetzen“, oder „transportieren“?

Man kann sich solche Gedanken aber auch klemmen und einfach nur die Geschichte genießen… 😉

(Mein) Aktuelles Buch: Christopher Moore, “Lamb: The Gospel According to Biff, Christ’s Childhood Pal”

Ich muss zugeben, dass ich das Buch schon einige Male in Betracht gezogen habe, dann aber wegen des bekloppten Zweittitels wieder weggelegt habe, der irgendwie so klamaukig klingt, wie der Titel einer Episode einer amerikanischen Comedy-Serie. Dann gab es bei reddit mehrere Empfehlungen dazu, und ich habe es dann doch gelesen – und nicht bereut!

Biff, Jesus‘ Sandkastenkumpel, wird in unserer Zeit von einem Engel wiederbelebt, um sein Evangelium zu schreiben, vor allem über die Tage bis zu Jesus großen und auch bekannten Auftritten im neuen Testament. Dort (wenigstens in zwei Evangelien) wird Jesus geboren, und ist dann mit einem mal um die 30, und wir erfahren nichts darüber, was bis dahin passiert ist. Dies will / soll Biff ändern- und man staunt beim Lesen, was man alles verpasst haben könnte! Das Buch ist witzig, schlau und streckenweise sehr philosophisch. Das einzige, was man ihm vorwerfen kann, ist, dass der Autor vielleicht doch etwas zu sehr Rücksicht auf die Gefühle und Befindlichkeiten von Gläubigen Rücksicht nimmt, und sich manchmal zu sehr Mühe gibt, nicht blasphemisch zu werden, aber darüber kann man großzügig hinwegsehen.

Ein sehr gutes Buch! – Ich kann es nur empfehlen!

(Mein) Aktuelles Buch: Alvin Toffler, “Future Shock”

Hu! – Ein über 40 Jahre altes Buch, welches einem immer noch unsere Zeit um die Ohren haut!

Future Shock bezeichnet das Phänomen, wenn Menschen wenig(er) mit ihrem Alltag klar kommen, weil zu viele Veränderungen passieren, die sie schlicht überfordern. Das Buch erläutert ausführlich, was Future Shock ist und ausmacht, wie Menschen damit umgehen, oder es eben nicht können und zeigt später Wege auf, wie dem zu begegnen ist, sowohl persönlich als auch gesellschaftlich.

Wenn man es liest, und dabei feststellt, wie aktuell dieses Buch nach über 40 Jahren immer noch ist, kann man nur die Weit- und Klarsicht des Autors loben.

Die einzigen Aussetzer sind die Zukunftsprognosen die Toffler gegen Ende des Buches anstellt. Aber die sind eigentlich selten akurat, siehe hier.

Wer es noch nicht kennt, sollte es unbedingt lesen! – Man kann als Bibliophiler ob des genialen Inhalts auch gerade noch die lieblose Paperback-Variante ertragen, die man leider nur noch davon bekommt…

(Mein) Aktuelles Buch: Jan Fleischhauer, “Unter Linken: Von einem, der aus Versehen konservativ wurde”

Ein Geschenk meines kleinen Bruders, der mir damit glaube ich was sagen möchte..

Davon ab ist das Buch eher etwas anstrengend. Ich finde es teilweise interessant, wie „linke Beweggründe“ aufgedeckt werden, und kann mich an vielen Eskapaden wirklich erfreuen, aber es ist schon anstrengend, wenn da einer erst die Irrwege der linken Bildungspolitik aufführt, und dann meint, für so ein komplexes Thema einfache Lösungen im Gepäck zu haben.

Das ist dann genauso Blenden, wie es die Linke macht, oder die Rechten: (alle) Probleme löst man doch ganz einfach, man muss doch nur…

Ja, nur was? – Es gibt für komplexe Probleme keine einfachen Lösungen. Leider.

Trotzdem ist das Buch interessant, man muss halt nur über einige Passagen hinwegblättern.

(Mein) Aktuelles Buch: Stephen Clarke, “Talk To The Snail”

Der Untertitel ist „Ten Commandments for Understanding the French“, und der Autor hat schon einige Bücher über sein Leben als Expat in Frankreich geschrieben.

In diesem Buch erklärt er nun die „10 Gebote“ um als Engländer in Frankreich überleben zu können, und das ist genau das Problem für einen deutschen Leser: beim Lesen merkt man einmal mehr, dass in vielen Bereichen die Franzosen den Deutschen doch näher sind, als man denkt!

Im Endeffekt erfährt man bei der Lektüre also genau so viel über die Engländer, wie über die Franzosen, was aber auch sehr aufschlussreich ist.

Für denjenigen, der (auch nur etwas) Französisch spricht, haben die „Aussprachehilfen“ noch zusätzlichen Humor-Wert. 😉

(Mein) Aktuelles Buch: Wladimir Kaminer, “Salve Papa”

Lakonisch wie immer, aber mit mehr lauten Lachern versehen als ältere Werke. Zu Beginn konnte ich Kaminers Geschichten nicht viel abgewinnen, was sich schnell änderte, nachdem ich das erste mal ein Hörbuch, gelesen vom Autor, gehört habe. Der trocken russische Vortragstil ist hammer-lustig und unnachahmlich.

Und dieses Buch ist das auch, sogar dann, wenn man den Autor vorher noch nicht gehört hat.

(Mein) Aktuelles Buch: Stéphane Hessel, “Empört Euch!”

Tja. Ein alter Mann schreibt einen kurzes, kleines Buch, in dem er – nicht nur – seine Mitfranzosen auffordert, sich zu empören: gegen Finanzkapitalismus, für Pazifismus, ..und so.

Das kann man lesen (sind auch nur knapp über ein Dutzend Seiten), aber viel erwarten darf man davon nicht. Natürlich läuft vieles schief in der Welt, aber das Buch ist zu flach: empört Euch, über alles mögliche, und zwar auch zu recht, und jetzt runter von meinem Rasen, sagt der alte Mann.

Das ist nicht viel, und in meinen Augen auch nicht genug. Etwas mehr Inspiration hatte ich mir insgesamt schon erhofft!

Das Buch war in Frankreich ein Knüller. Und wir hatten zeitgleich Thilo Sarrazin.

Die Franzosen waren deutlich besser dran.

(Mein) Aktuelles Buch: DBC Pierre, “Bunny und Blair”

Uh-ha, soweit, so unglücklich: getrennte siamesische Zwillinge, gesellschaftlich bis körperlich verkrüppelt verlassen das Heim, in dem sie aufgewachsen sind, und gut geht das alles nicht!

In der russischen Provinz, einem Kriegsgebiet im Niemandsland, versucht eine Frau, die gerade ihren Großvater bei dem Versuch, sie zu vergewaltigen, umgebracht hat, in ein neues Leben zu fliehen, während ihre immer streitende Familie sich kein Brot mehr leisten kann.

Im Prinzip reiht sich Katastrophe an Unglück, trotzdem mag man es nicht aus der Hand legen.

Und wer mit dem Ende wirklich gerechnet hat, bekommt ein Eis von mir.. 😉

(Mein) Aktuelles Buch: A. Doxiadis (Autor), C. H. Papadimitriou, “Logicomix – An Epic Search For Truth”

Eine Geschichte der Logik, ausgehend von einem Vortrag, den Bertrand Russel, Mathematiker und Philosoph, kurz nach Beginn des deutschen Einmarschs in Polen an einer amerikanischen Universität gehalten hat. Vor Beginn des Vortrags trifft er auf wütende Demonstranten, die gegen den Eintritt der USA in den Krieg sind, und Russel, der für seine pazifistischen Reden zu Zeiten des 1. Weltkriegs sogar im Gefängnis saß, auf ihrer Seite wissen wollen. Er lädt die Demonstranten ein, seinen Vortrag über Logik zu hören, und dann ihre Schlüsse zu ziehen.

Im folgenden unternimmt Bertrand Russel eine Reise durch seine Geschichte der Suche nach der Wahrheit und kommt zu einem Schluss, der sicher nicht allen Demonstranten gefiel.

Das Ganze ist eine „Graphic Novel“ – ein Comic, wie einige vielleicht sagen würden, obwohl das dann immer gleich so abwertend klingt. Dabei handelt es sich tatsächlich um einen veritablen Roman, der nicht umsonst zahlreiche Preise verliehen bekommen hat: Top Nonfiction Book of 2009 (Time), Top Biography of the Year 2009 (Washington Post), Book of the Year (Financial Times und Best Book of 2009 (Publishers Weekly).

Das Buch gibt es für einen knappen Zehner mehr auch auf Deutsch.

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